Klangteppich

Vinarte. Kaffee und Omelette zwischen den Dorfbewohnern, der letzte Tag in Prádena, daher unbedingt ein Frühstück hier. Eine schlichte Halskette habe ich erworben, Lederband, daran ein goldenes Stechpalmenblatt, man ist ja so stolz auf seinen Stechpalmenwald hier …

Falls man jemanden sucht und daheim nicht antrifft – man sollte hier im Café vorbeischauen. Die Strassen sind meistens menschenleer, aber hier, ja, da steht man an der Theke oder sitzt und erzählt, man hat Zeit. Die gesuchte Person ist sehr wahrscheinlich anwesend, mit einem Gäbelchen in der Hand.

Ein Storch möchte ich sein oder ein Milan, um über diese erstaunlich abwechslungsreiche weite Landschaft zu kreisen. Das Licht, die Wolken, die Hügel und Felder und Eichen und Mohnblumen von oben betrachten.

Morgens, wenn man die Tür zum Garten öffnet, um die noch kühle frische Luft reinzulassen, beim ersten Kaffeetrinken im Ferienhäuschen, entzücken unzählige Vögelchen das Ohr mit ihrem Konzert. Es erklingt von überall her. Aus dem Wäldchen weiter weg, aus den nahen Büschen und aus der Esche. Je höher die Sonne steigt, desto stiller wird es, aufhören wird es allerdings nie. Die kleinen Echsen werden wach, und die lauten, grossen Holzbienen schwirren aus. Wenn die Hühner sich in den Schatten verkriechen, ist die Hitze am grössten. Bleiben sie auf der offenen Fläche, kann man selber draussen sitzen.

Prádena, Spanien, 26. Mai bis 5. Juni 2026