Einmal duschen in Brissago

Ich sitze im Café in Chur und nicht an der durchaus attraktiven Promenade in Brissago, wo in der Tennisbar mit grossen Schildern auf Barzahlung aufmerksam gemacht wird. Sowohl in Franken als auch in Euro.

In Brissago habe ich im gebuchten Zimmer geduscht, nach einer Stunde im Garten mit Aussicht und vielen Ameisen die zuständige Dame angerufen, sie kommen lassen, den kompletten Betrag für eine Woche bezahlt, und bin gegangen.

Gegangen, hundert Stufen treppab zur Haltestelle Municipio, und nach wenigen Stunden war ich in Chur.

Ja, Tessin. Minusio bei Sonne im Februar und Cappuccino draussen auf der Terrasse ist wundervoll. Aber das Tessin im Sommer? Vielleicht in einer Villa am Hang, mit Palmen, Hortensien und Pool, alles von steriler Sauberkeit, mit Blick auf den See, ohne 26 Stiche der übelsten Art. Oder hoch oben in den Bergen, in einer Hütte bei leckerer Polenta, wo die Luft zu dünn ist für Tigermücken.

Ferien oder Erlebnis? Will man nicht beides? Diesmal nur Erlebnis. Eine Erfahrung, etwas ist mir widerfahren. Ferien mache ich ein andermal.

Die Stiche sind so markant sichtbar, dass ich darauf verzichten muss, in den nächsten Tagen nach Andeer ins Mineralbad zu gehen. Das finde ich schade. Und jetzt? Im Café Klatsch belästigen mich Stubenfliegen.

Brissago, Tessin, 7. Juli 2026