Am Bach, am kühlen Bach

Die Wärme um 17.30 Uhr ist alles umhüllend, auch im Schatten. Ich habe eine Bluse ausgewaschen und über einen Stuhl gehängt, im Innengärtchen. Dieses Gärtchen ist durch den Schatten dreier Mauern geschützt, ein Olivenbaum und Palmen im Blumentopf zaubern südliche Atmosphäre. Von hier aus hört man den schnellen Bach, er rauscht Tag und Nacht. Die Ufer sind gesäumt von grossen Laubbäumen und Palmen. Nimmt man Platz auf einem grösseren Stein, ganz nahe am Wasser, verschwinden alle Geräusche – bis auf das laute Plätschern des Baches, der sich teils als Wasserfall zum See hin ergiesst.

Und unter diesen Bäumen am Wasser ist es angenehm kühl. Hätte ich einen eigenen Liegestuhl, würde ich ihn hier aufstellen. Genau hier. Der Liegestuhl gehört aber zum Gärtchen, und das Gärtchen gehört zur Unterkunft Bellavista.

Die schönste Aussicht bietet der Kirchenvorplatz. Ich habe bislang noch nie solch einen schön gelegenen Vorplatz gesehen, das heisst mit so schöner Aussicht. Man schaut von hoch oben auf den See, auf die Berge um den See, auf die Orte am See, der Lärm der Orte ist jedoch nicht vorhanden. Stattdessen zittern Palmwedel im Wind. Kunst ist auch vorhanden: eine glänzende Metallsäule, ein Abbild der vormals ionischen Säulen der ersten Kirche. Sowohl die Morgen- als auch die Abendsonne bringen die Säule zum Leuchten; dieses Leuchten verbrennt an zwei Stellen das Gras, es fehlen nur noch Feuerstreifen durch die Glut des gespiegelten Lichtes.

Ein grosser Teil des Platzes um die Kirche ist von einer Steinmauer umgeben, diese wiederum bietet einen grossen Halbkreis an Sitzmöglichkeiten. Zahlreiche Kirchgänger könnten Platz nehmen und munter Gespräche führen, etwas trinken und Kuchen essen. Die Kirche und ihr Vorplatz bieten ein fröhliches Bild. Dass der Friedhof hinter dem Gebäude sichtbar ist, tut dem keinen Abbruch.

Um sieben Uhr morgens schlagen die Glocken, lange und durchdringend, aber wenig melodisch, etwas blechern, und alle paar Schläge ertönt ein Misston. Auf jeden Fall wird man wach, sollte man noch schlafen um sieben Uhr. Um acht gibt es Frühstück, vegetarisch; ich vermisse weder Schinken noch Hähnchenkeule, das Gebotene ist äusserst lecker. Davor bietet sich ein kleiner Spaziergang an, in der kühlen Morgenstunde, zum Kirchenvorplatz. Zum Zittern der Palmwedel.

Sant’Abbondio, Tessin, 3. bis 7. Juli 2026