Bellavista in Sant’Abbondio

Ich bin geflüchtet – na gut, gegangen – und sitze nun auf der Terrasse der Bar Tennis in Vira, Gambarogno. Man darf die Bar auch ohne Tennisschläger betreten, dank dieser Info aus Rezensionen traue ich mich dahin. Es ist nämlich Zeit zu verbringen, bis der selten erscheinende Bus für die Weiterreise da ist.

Willkommen in der Zivilisation! Clubmusik, italienische und schweizerdeutsche Diskussionen, ein nur wenig plärrendes Kind, ein dösender Hund, es wird in Holz gebohrt – Party Vorbereitungen für abends, alles mit wunderbarem Blick auf den Lago Maggiore. Ja, Käfer und Schmetterlinge und Gräser sind in Braggio geblieben, wo ein menschenverursachtes Geräusch eher die Ausnahme ist. Man kann nicht alles haben.

Ich freue mich, bald in Sant’Abbondio zu sein. Ob ich den Ort kenne? Nein. Zufall. Etwas gegenüber von Brissago gesucht und gefunden. Ich werde duschen und ein Deo verwenden, ich werde Mensch. Noch in Vira schlagen die Glocken zwölf Uhr; sie schlagen müde, es ist bereits sehr heiss, Schatten ist wohltuend.

Ich habe das grösste Zimmer gebucht, mit eigenem Bad.

Ob man irgendwann, irgendwie in der Lage wäre, die Ängste abzulegen, die einen befallen, wenn man sich ungeschützt fühlt in zu viel Natur?

Sant’Abbondio, Tessin, 3. bis 7. Juli 2026