Im Ferienhaus fliesst seit gestern abend kein Wasser. Ungeduscht und verschwitzt bin ich zum Hauptplatz gelaufen; die Zähne habe ich immerhin mit geschmolzenen Eiswürfeln geputzt. Das Wasserproblem betrifft offenbar nicht das ganze Dorf: Bei Vinarte gibt es Kaffee, und man darf auf die Toilette.
Hier im Laden ist was los, die Bewohner haben Wochenende, sitzen zu vielen an den Tischen und erzählen lebhaft und durcheinander. Zu meinem Café con leche bestelle ich Toast mit Lachs, C. ist wandern beim Río Duraton; ich vertreibe mir die Zeit also mit Naschereien. Ein wenig bedaure ich meine Unfähigkeit, durch diese sehr sehenswerte Landschaft zu wandern.
Ich bestelle noch einen Cava aus Burgos, schliesslich ist Samstag. Nichts eilt. Dazu gibt es ein Portiönchen Omelett mit Pilzen und Trüffel. Ich sitze mit dem Rücken zu unzähligen Spezialitäten der Region: Milchlamm, Riesenbohnen, Wildschwein, Honig, Käse, eingelegte Paprika … ich kann nicht alles aufzählen. Wo ist die riesengrosse Einkaufstasche? Man könnte tagelang schmausen und sich nicht langweilen.
An der Theke stehen drei Herren mit Baguette unterm Arm aus der Bäckerei nebenan, bestellen sich Kaffee und teilen sich in aller Freundschaft Omelett, welches mit drei kleinen Gäbelchen hingestellt wird. Ich finde diese Sitte grossartig: unverfänglich ein Schwätzchen, kleine Leckerei, weiter geht’s.
Ich wollte Melone und Pfirsiche kaufen, es gibt heute aber nur Fleisch, wunderbares Fleisch. Steak zu meinem Ziegenkäse? Nein, lieber nicht, frisches Brot muss reichen.

