Die Sonderstellung: Speisesaal

Segovia. Begrüsst wird man vom römischen Aquädukt, welcher davor stehende Menschen sehr klein erscheinen lässt. Unzählige Mauersegler schwirren hin und her und stossen dabei ihren typischen Ruf aus. Sie sind weder von den Besuchern beeindruckt noch von der McDonalds-Filiale, die unpassender nicht liegen könnte. Die Römer würden die Bude erobern und vernichten.

Für spanische Verhältnisse ist es relativ früh, noch keine 10 Uhr, die Läden sind geschlossen, viele kleine Lieferwagen drängen sich durch enge Gassen, um ihre Waren loszuwerden. Wir betreten eine Cervecería-Bar. An der Theke Herren im Anzug oder T-Shirt, es wird Kaffee getrunken und Churros werden verspeist. Wir bestellen Manchado und Café con leche und dazu Süssgebäck – ich fühle mich zugehörig.

Hohe Stadthäuser beeindrucken mit ihren verzierten Fassaden nach maurischem Vorbild, und spezielle geschlossene Balkone aus Holz und Glas sind oft vorhanden. Die Kathedrale leuchtet in ihrem hellen Sandstein, sie ist gross, hoch, üppig. Nimmt man in ihr Platz, fühlt man sich jedoch eher gefangen denn zum Himmel gezogen.

Wir fahren auch nach Turégano, die Burg-Kirche erhebt sich über Dorf und Landschaft und ist aus grösserer Entfernung zu sehen. Zuerst steuern wir ein Restaurant an. Mittlerweile kommt uns alles bekannt vor: Vorne, im Barbereich, trinkt man schon mal etwas, Appetithäppchen inclusive. Um 13.30 Uhr wird feierlich die Tür zum schön gedeckten, gekühlten Speiseraum geöffnet. Menu del día: Gazpacho oder Rahmspinat mit Rosinen, Rinderzunge mit Sosse oder gegrillter Fisch, als Nachtisch Melone oder Milchreis mit Zimt. Milchreis scheint sehr beliebt zu sein, er steht auf fast jeder Speisekarte.

Bei 35 Grad oder mehr bewältigen wir den Weg zur Burg und siehe da: Aus einer kleinen, dunklen Bretterbude springt ein Mensch hervor und wir erwerben Eintrittskarten. Wir klettern sogar bis auf die Dachterrasse ohne Hitzschlag …

Kastilien, genauer gesagt die Provinz Segovia, besteht aus spärlich in der Landschaft verstreuten Dörfern, welche nicht unserem gewohnten Schönheitsideal entsprechen. Sie sind still, aus Stein, braungelb, die Fensterläden meist verschlossen, die Kirchen ebenso. Landflucht macht sich bemerkbar. Dafür gibt es jede Menge Störche in riesigen Nestern, um diese Zeit mit Nachwuchs. Die Landschaft wechselt ihr Erscheinungsbild schnell, von weiten Feldern zu spärlich bewachsenen Hügeln, dann wieder bewaldetes Gebiet. Es geht hoch, es geht runter, wellig rollt es sich dahin. Kühe sieht man oft, ihr Fell glänzt in der Sonne, schwarz und gelblich oder fast weiss. Sie wirken schmaler als die Kühe daheim. Beeindruckend bleibt die Anzahl der kreisenden Milane.

Kastilien wirkt sehr ländlich, weit und still.

Prádena, Spanien, 26. Mai bis 5. Juni 2026