Spanferkel – mit Fuss

Der Wind mildert das Gefühl allzu grosser Hitze. Mittags benötigt man dennoch Schatten, um in Ruhe einen Kaffee oder ein Glas Wein zu trinken.

Sepúlveda ist einen Besuch wert, Pedraza umso mehr. Die steinernen Gassen und Häuser und die Burg bilden ein harmonisches Ganzes. An der Plaza Mayor säumen Wohnhäuser auf Stein- oder Holzsäulen zwei Seiten des Platzes, eine Seite wird von der Kirche eingenommen, die letzte Seite wird von einem strengen, herrschaftlichen Haus dominiert. Rote Geranien an den Fenstern bilden einen schönen Kontrast zu den gelblichen Steinquadern. Die Plaza Mayor wirkt leer bei unserem Eintreffen, eine Bar – mit Stühlchen an kleinen Tischen unter Sonnenschirmen – bietet einen willkommenen Milchkaffee. Geklapper von Störchen, deren Nester den Burg- und Kirchturm zieren, erstaunt mich immer wieder. So viele Störche!

Wir geniessen ein Mittagessen in einem gekühlten Speisesaal, der dörflich-festlich gedeckt ist. Der höfliche Kellner trägt schwarze Hose und Weste über weissem Hemd – das lässt ihn adrett aussehen, würde aber eine Reinigung gut vertragen. Beim Verlassen des Speisesaals Richtung Küche stöhnt er jedesmal mühevoll. Entweder die vier besetzten Tische bedeuten ihm Höchstleistung, oder er langweilt sich sehr.

Spezialitäten von Pedraza und Region müssen her: Dicke weisse Bohnen in roter Sosse mit Wurstscheiben als Vorspeise. Spanferkel inklusive Fuss als Hauptgericht, als Dessert Milchreis. Wein darf natürlich nicht fehlen. Danach ist man für ein paar Stunden lahmgelegt und muss ein Nickerchen halten, um in der Abendkühle Pétanque spielen zu können.

Prádena, Spanien, 26. Mai bis 5. Juni 2026