Prádena. Ein vollkommen unscheinbares Dorf mit Kirchturm, auf dem Störche in ihrem Nest klappern. Es gibt eine wunderbare Weinstube, eine Apotheke und zwei Banken. Ein paar Restaurants – nur wenige wirken einladend. Und manchmal trifft man auf den Strassen Menschen. Die meisten Häuser scheinen unbewohnt; den Gärten nach zu urteilen, trügt dieser Anschein jedoch. Auf Stromleitungen zwitschern Vögel, auch mir unbekannte, und in kleiner Entfernung muhen Kühe. Um 11.20 Uhr ist es bereits so heiss, dass man freiwillig drin sitzt, in der kühlen Weinstube.
Heute morgen habe ich einen Cortado getrunken, im Café-Restaurante P. Er war gut, der Cortado. Die Tische draussen und die Stühle waren leicht klebrig, hie und da ein kleiner Vogelschiss darauf, unter dem Tisch ein kleines, totes, halb vertrocknetes Vogelküken. Schreibstimmung wollte sich hierbei nicht einstellen, bin nur kurz geblieben. Gegenüber ein ansprechender Laden mit Fleisch, Käse, Gemüse; trotz mangelnder Sprachkenntnisse eingekauft.
Unser Ferienhaus bei der Künstlerin Raquel ist toll, schön eingerichtet, etliche Sitzmöglichkeiten im grossen Garten mit weiter Sicht in die überraschend grüne Landschaft. Man befindet sich auf über tausend Höhenmetern und merkt es nicht, vermutlich wegen der Hitze. Mittags schweigen die Kühe, und die Hühner verstecken sich im Schatten. Dafür hört man die leichte Windbrise und das Summen von Insekten.
Um in das Reich von Delikatessen und feinen Weinen zu kommen, darf man sich von dem banalen Eingang – mit Vorhang gegen Fliegen – nicht abschrecken lassen. Drin erwarten einen freundliche Damen, mit denen man per Google-Übersetzer über das Gewünschte kommunizieren kann, falls man mehr als nur einen Kaffee bestellen möchte. Dass hier im Ort kaum jemand Englisch spricht: ein Zeichen für sehr wenige ausländische Touristen.





Prádena, Spanien, 26. Mai bis 5. Juni 2026

