Vierhundert Kilometer von Orange nach La Seu d’Urgell: Auf dieser Strecke erlebt man Wunder. Man bewundert ja insgeheim die Leichtigkeit der südlichen Lebensart – wunderlich wird es, wenn das Auto vor einem das allzu leicht befestigte, kühlschrankgrosse Paket vom Anhänger verliert. Es purzelt auf die Schnelltrasse und überschlägt sich mehrmals, glücklicherweise nach rechts, hin zum Seitenstreifen. Der Fahrer wird es abholen können – wir können beruhigt weiterfahren.
Einem Wunder gleich die Flamingos in den Lagunen bei Sète und die ungewöhnliche Verkehrsführung in der Stadt, welche auch den erfahrenen Lenker ausrufen lässt: »Ich bin verloren!«
Verloren sind wir dann doch nicht: Wir erreichen die Pyrenäen, und bei der Überquerung erreicht das Staunen seinen Glanzpunkt. Die Strasse ist sehr schmal, sie schlängelt sich durch die Berge, teils durch eine Schlucht oder unter Felsnasen. Jeder Zentimeter Platz zählt, der Gegenverkehr scheint einen zu streifen, auf der Strasse liegen immer wieder heruntergepurzelte Steine. Traumhaft schöne Landschaft. Und plötzlich eine weite Hochebene mit Nadelbäumen – ich denke an Kanada, obwohl ich noch nie dort war.
Weiter, weiter, Seu d’Urgell, Parador. Ach ja, in einem Parador wollte ich schon immer mal übernachten. Der Kreuzgang des ehemaligen Klosters ist gekonnt in den Neubau eingefügt, er umfasst weiche Sofas und Sessel und Tischchen und Lampen – man wandelt nicht mehr meditierend auf kühlen Steinplatten, sondern geniesst ein kühles Getränk. Nach dem Abendessen zieht es uns in die Altstadt, wo man sich wiederum wundert: über die unzähligen Säulengalerien unter den Häusern. Und dem hellen Mond am dunkelblauen Himmel über der Kathedrale.






La Seu d’Urgell, Spanien, 25. bis 26. Mai 2026

