Val Fex – zu ungewohnter Stunde

Einmal im Jahr, im Winter, ins Fextal, das muss sein.

Es war heute bereits 12.30 Uhr beim Losgehen Richtung Val Fex von Sils Maria aus. Ungewohnt spät. Eine Uhrzeit, welche üblicherweise etliche Spaziergänger und Langlaufspezialisten auf die Wege lockt. Nicht heute. Heute gehörte das Tal wenigen und mir.

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Ich gehe bis nach Rom

Den Burgenweg im Domleschg entlang bin ich gelaufen, wenig Steigung, 14 km, machbar auch bei angekündigter dunkler Bewölkung. Dass der Himmel dann oft blaue Lücken bot, durch welche die Sonne wie inszeniert einzelne Landschaftsflächen in schönstes Licht rückte, hat das Herz natürlich umso mehr erfreut. Die Augen hatten auch ihre Freude: die sich immer wieder öffnende Weite, im Vordergrund Wiesen von sattestem Grün mit schwarzen Kühen darauf und im Hintergrund eine weiss bepuderte Bergkette mit markantem Gipfel, letzterer mal umhüllt von weissen Wolken, mal frei sich zeigend in seiner gewaltigen Präsenz. Die Ohren, ja, für die Ohren gab es Kohlmeisengezwitscher, krächzende Raben und Eichelhähergezänk.

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Rotgoldene Lärchen

«Den Steinmännchen nach zum Munt Müsella» heisst die Wanderung, angeboten vom Wanderverein. Das hört sich verlockend an – den Steinmännchen nach? Ja, tatsächlich, es gibt für diesen Weg keine offizielle Wegmarkierung. Also, nichts wie hin!

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Wo ist Wildnis?

Die Stämme der Bäume im Auenwald sind schlank, sie stehen dicht beieinander, und oft sind sie leicht gebogen, als hätten sie unter dem Gewicht des Regens nachgegeben. Das Unterholz ist sehr dicht bewachsen, alles ist noch tropfnass. Vom Laub tropft es auf mein Gesicht oder auf eine Pflanze am Boden, dann erzittert ein feines Blatt, für einen Moment.

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Das lautlose Vergehen der Zeit

Ununterbrochener Regen, nicht heftig, aber da, deutlich erkennbar im Licht der Strassenlaterne, erkennbar im nassen Glanz der Strasse. Einen Kaffee trinken, auf dem Sofa, im Schlafanzug, es ist noch früh und dunkel, die Kuscheldecke warm und schwarz.

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Der Zug um 19.01 Uhr

Selbstverständlich verläuft der Alltag in ziemlich geordneten Bahnen, was auch gut ist – allzuviel Durcheinander würde uns ermüden. Wir nehmen den immer gleichen Bus, um die immer gleiche Zeit. Oder wir laufen die immer gleiche Strecke zur Arbeit oder zum Friseur. Praktisch und effizient, der Tagesablauf ist getaktet, und erst in den Ferien erlaubt man sich manche Eskapade.

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Zeitempfinden

Ein Termin hat uns nach Giessen und zurück gebracht. Stundenlanges Fahren. Hin auf der Autobahn, schliesslich möchte man zu einem bestimmten Zeitpunkt ankommen, zurück auf der Landstrasse, mit einer Übernachtung in Marktheidenfeld. Die Hinfahrt erfolgt unter grauem Himmel und Regen, monoton, entlang der grauen Strasse. Abwechslung bringt Musik, passend zu dem verregneten Herbstwetter Klänge von Eleni Karaindrou, The Weeping Meadow. Die Klänge entführen mich, sie nehmen mich mit in das Gewesene, das vor etlichen Jahren Erlebte.

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Das Getöse der Kleingeister

Im Rückblick auf unsere Rundreise sei mir noch eine kleine politisch-historische Einlassung erlaubt.

Heutzutage feiert man in Europa die offenen Grenzen und den freien Reiseverkehr, und das zu Recht. So neu ist diese Errungenschaft allerdings nicht. In grossen Teilen Mittel- und Südosteuropas gab es das schon vor gut 100 Jahren. Unsere Reisestationen Linz, Pressburg, Budapest, Kronstadt, Sarajevo, Trogir oder Triest, die heute in sieben verschiedenen Staaten liegen, gehörten damals alle zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

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Schnee am 1. Oktober

Eine Zweitageswanderung mit Übernachtung auf der Lötschenpasshütte war geplant. Der frühe Schnee hat dieses nicht beachtet und 70 cm seiner weissen Pracht auf den höheren Berglagen abgelegt. Ein Reinhold Messner hätte vermutlich mit einem Lächeln die Tour bewältigt und vor dem Abendessen noch einen kleinen Schneemann gebaut. A. mit ihrer kleinen Frauengruppe hat klugerweise die Finger davon gelassen.

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