Kneipengenossen im Convívio

Tag 9. Ob es draussen neblig aussieht oder die Sonne blendet: die meisten portugiesischen Männer trinken zu ihrem ersten Kaffee einen Schnaps. An der Theke. Und manchmal noch einen.

Der dürre, ältere Koch aus dem Restaurant Pisco kommt nachmittags im Convívio vorbei, ein- bis zweimal, um ein Glas Wein zu trinken. Vermutlich verkraftet er es nur so, vegetarische Pizza zuzubereiten statt Muscheln, Oktopus oder Steak. Er nickt mir mittlerweile freundlich zu, wir sind Kneipengenossen, im Convívio.

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Dünen bei Carrapateira

Tag 8. Galão und ein Sandwich im Café Nascer do Sol, 7.20 Uhr. Um acht Uhr fünfzehn Treffen mit Ana Carla.

Wenn eine Windböe ins Fonte Velha fährt, ächzen die Dachbalken. Ein ehemaliges Landhaus, heisst es. Zuviel entfernt beim Renovieren? Heute ist hier Feiertag. Das helle Morgenlicht ergiesst sich über den Platz der Republik, es blendet bereits. Die Kirche verliert ihre Konturen in diesem Licht. Der Fernseher läuft, ein paar wenige Männer aus dem Ort kommen vorbei, um einen Kaffee zu trinken.

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Wenige Worte

Tag 7. Ich denke gerade nach. Ich bin durch Landschaften gegangen, die wie ein Gewürzgarten riechen. Nach Zistrosen, Kräutern, Eukalyptus. Ein eher süsslicher Geruch. Ich habe ihn tief in mich aufgenommen. Am Meer der Geruch nach Meer. Das Licht so hell, die Sonne so warm, der Wind erfrischend. Feldlerchen. Viele Vögel die ich nicht kenne. In den Barrancos Gezwitscher wie im grünen Urwald – zumindest stelle ich mir den Urwald so vor. Der, nein, die Strände so weit, so wild, so frei. Die Wellen so laut. Soviel Schönheit verhindert viele Worte.

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Cabo de São Vicente

Tag 6. Los mit Wanderführerin Ana Carla, von Vila do Bispo nach Cabo de São Vicente. Wunderbar.

Zuerst durch die ländliche Umgebung von Vila do Bispo, hügelig, zum grossen Teil nicht mehr bewirtschaftet. Feldlerchen, Ziegen, Schafe. Ein weisses Pferd inmitten einer braunen Kuhherde. Grosse, schwere, schöne Tiere, friedlich lagernd. Dann beginnt der Weg oberhalb der Küste, auf der Hochebene. Blicke in die Ferne oder auf beeindruckende Buchten. Felsen gelb, weisslich, schwarz, rot. Untergrund sandig, steinig; breit oder schmal der Pfad. Verkrüppelte Kiefern, auf dem Boden kriechender Wacholder, Lavendel, Thymian, Curryblumen, Zistrosen, Iris. Teils zusammengewürfelt, wie ein wunderbar gestalteter Garten. Möwenflug. Flug von Falken. Storchennest weit draussen, auf einer Felsspitze über dem Meer. An manchen Stellen befestigte Seile für die Fischer, die Muscheln sammeln, sich dafür die steilen Hänge runter- und raufhangeln. Lebensgefährlich! Eine Berufung, sagt Ana Carla. Ich frage sie, ob man guten Gewissens diese Muscheln im Restaurant bestellen kann. Ja, auf jeden Fall, ist die Antwort, die Männer tun das nicht des Geldes wegen, nicht allein, sondern aus Leidenschaft. Sie würden es so oder so tun.

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Ort ohne Sehenswürdigkeiten

Tag 5. Ich warte dass es 15 Uhr wird, dann hole ich meinen Koffer und lasse mich nach Vila do Bispo fahren. Ich ziehe um heute, in die Stadt ohne Sehenswürdigkeiten, laut Internet. Die meisten Besucher verbringen hier eine Nacht, auf ihrer Wanderung auf dem Fischerpfad. Ich bleibe sechs Nächte. Ich fürchte mich nun davor.

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Graues Sagres

Tag 4. Natürlich habe ich auf das Frühstück um halb neun verzichtet. Hielt mich für besonders schlau, bereits um sieben Uhr ein Taxi nach Sagres zu nehmen, nur um festzustellen, dass die Stadt im grauen Nieselregen versinkt. Öde, öder, Sagres. Um acht Uhr eröffnet immerhin ein Spar; ich kaufe Wasser. Kurz nach acht öffnet ein Café, ich bestelle Galao und Gipfeli. Die Rettung, meine Depression hält sich in Grenzen.

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Entenmuscheln – Percebes

Tag 3. Womit beginnen? Die Servietten im Spender auf dem Tisch im Eiscafé Taquelim Gonçalve, sind genauso dünn wie auf den Kanaren. Man braucht viele und lässt sie zerknüllt zurück. Das Eiscafé wurde 1935 gegründet und serviert Spezialitäten nach Art des Dom Rodrigo, steht da. Das Café war die letzte Station der Tour «Eat and Drink», es gab Portwein und Orangen- und Mandelkuchen. Ein kaum noch zu schaffender süsser Abschluss.

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Lagos. Nicht in Nigeria.

Tag 2. Der Frühstücksraum unterkühlt, Amerikaner schwätzen über Tische hinweg. «Oh my God!», ein Lieblingsspruch, hört man öfter. Ich esse schnell und gehe raus zum Tejo, er glänzt in der Morgensonne. Die Gondeln stehen still, ein Fisch springt aus dem Wasser, ich habe noch Zeit bis zur Busabfahrt nach Lagos.

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Portugal. Südwest.

Tag 1. Die Reise hat begonnen. Sprüngli Café, Flughafen Zürich, erneut. Diesmal Lissabon als Ziel und nicht Athen. Fünf Wochen Ferien, Start ist erfolgt. Es regnet, der Himmel ist grau, in Chur und hier auch. Die riesige Glasfassade unter dem Schriftzug «Flughafen Zürich» wird gereinigt, Regentropfen und Putzwasser perlen herab. Mühsam, im Buchladen hier noch zwei Taschenbücher zu finden, die man eventuell gerne lesen würde.

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Pizza und Platzregen

Nach der grossen Wanderung am Vormittag meldet sich der grosse Hunger. Laut Wetter-App ist erst am Abend mit Regen zu rechnen, somit liegt eine kleine Ausfahrt nach St. Luzia in die wohlbekannte Pizzeria locker drin. Flussabwärts und bei leichtem Gegenwind ist nach einer Stunde das Dorf erreicht, wo man die schöne Aussicht über die hier zu einem See geweitete Soča bestaunen kann.

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