Gefrorenes Gras

Die beiden vorhergehenden Touren hatten schön zu sein, man hatte so viel gehört darüber … Die heutige Tour war unerwartet schön.

Tief bewölkter Himmel in Bever, auf dem Weg durch das Tal Bever auch. Die Wolken konnten das Leuchten der Lärchen jedoch nicht beeinträchtigen, es war präsent, es kontrastierte ungemein mit dem grauen Himmel.

Mein Wanderweg bog irgendwann rechts ab, hinauf, ins graue Nichts. Ich nahm mir vor, so lange weiter zu gehen, wie ich den Weg eindeutig sehen kann. Und es ging immer weiter, bis ich oben war. Und siehe da, die Wolkendecke öffnet sich, und ich erkenne, dass ringsum hohe Berge sind. Ha, wer hätte das geahnt! Das Staunen wird immer grösser, je mehr ich sehe.

Da, nun stehe ich in der Sonne, über den restlichen Wolkenfetzen. Ich bin glücklich. Und ich bin stolz, weitergegangen zu sein, die kleine Furcht, die Unsicherheit überwunden zu haben.

Und dann das Panorama voller Herbstfarben. Wann habe ich je diese Farben so deutlich gesehen? In diesem Herbst habe ich mich oft gefragt, woran dieses Erkennen der Farben liegen könnte. Bloss ein Naturphänomen? Oder haben die Wanderungen meine inneren Augen geöffnet, sie erst befähigt zu sehen, zu staunen.

Und dann diese kleinen Crap-Alv-Seen. Die Wasseroberfläche zugefroren, aber keine glatte Fläche bildend, sondern so, als wäre das Wasser plattenweise gefroren. Am Rand rot-gelb-braune Grasbüschel, angefroren, in der Ferne erneut Berge. Darauf war ich nicht vorbereitet. Schön ist ein zu banales Wort dafür. Wie soll man es nennen? Eigentlich kann man es nur fühlen.

9. Oktober 2021, 16,8 km, 4 h 17 min, 750/670 Hm