Kirche und Leuchtturm

Tag 23. Das letzte Mal Frühstück im Casa Verde. Die Sonne strahlt. Es fühlt sich an, als müsste ich schon zurück in die Schweiz, dabei möchte ich nur den Standort wechseln.

Gestern auf dem Rückweg von der Praia de Odeceixe: Der Fluss träge in der sinkenden Sonne. Es war so still, dass man das Hüpfen der Frösche und das Springen der Fische hören konnte. Kleine Vögel in der Luft und auf Sträuchern, Störche stolzierten über die Felder. Die Mutterkühe mit ihren Kälbchen träge hinter dem Elektrozaun. Die Tiere sind von sehr schöner brauner Farbe und gross. Weideflächen werden Tag und Nacht bewässert, sonst gäbe es nicht genug Gras. Der Bauer mit seinem eingestaubten Pick-up kommt jeden Abend vorbei, im schönen späten Licht des Tages, und schaut nach Tier und Wasseranlage. Zwei-, dreimal haben wir uns zugewinkt.

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Staub, Staub

Tag 22. Ich glaube, mich hat gestern ein Petermännchen gestochen, besser gesagt, ich bin auf den kleinen Fisch getreten. Grausamer Schmerz hat mich durchzuckt. Welch ein Schreck! Habe nicht verstanden, was das hat sein können. Eine Biene im Fluss?! Unmöglich. Habe mich schon Hilfe holen gesehen, bei den Rettungsschwimmern, die für mich eine Ambulanz bestellt hätten. Aber: Kein anaphylaktischer Schock, nach einer halben Stunde war ich immer noch am Leben, und es wurde besser. Danach hatte ich jedoch Angst, wieder in den Fluss zu gehen. Chinesische Badeschlappen schwebten mir vor, habe es aber sein lassen.

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Landschaften lesen

Tag 21. Heute möchte ich nichts tun. Nur lesen und an den Strand laufen, Praia de Odeceixe.

Wenn man länger hier in der Gegend umhergeht, wandert, spaziert, beginnt man die Landschaft zu lesen. Nicht mehr hinter jedem Busch springt ein Wildschwein hervor. Möwen fliegen einem über den Kopf, weil sie fliegen und nicht, weil sie ihr Nest verteidigen wollen. Die Echse ist keine Schlange. Feines Knistern sind zwei Zangenkäfer im Kampf. Überall fleissige Bienen. Das einsame Begehen der Pfade verliert seine kleine Bedrohlichkeit und wandelt sich in das Gefühl des exklusiven Erlebens. Andere Wanderer begegnen einem später am Tag, ab elf Uhr.

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Café Palhinhas

Tag 20. Zusammenfassend gesagt: perfekt!

In Odeceixe kündigt ein Restaurant auf einem Zettel an der Tür in hässlicher Schrift an, dass es ab 7.15 Uhr Frühstück anbietet. Das gilt anscheinend nicht für heute. Ich habe auf der Bank davor gesessen und gewartet, dass etwas passiert. Ein Stuhl verrückt wird, die Kaffeemaschine anfängt zu brummen, ein Licht angemacht wird – nichts. Um halb acht habe ich mich auf den Weg gemacht, in der Hoffnung, dass im ersten Ort, den ich antreffe, ein Restaurant offen hat und ich frühstücken kann. So kam es, in Azenhas do Mar. Croissant, dick mit Butter bestrichen und noch dicker mit Käse belegt, dazu zuerst ein Galão und dann ein Meia de Leite. Gefühlt ausreichend für die nächsten 20 Kilometer.

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Tiefste Verlassenheit

Tag 19. Was ich gestern noch gemacht habe? 25 km gelaufen. Zuerst oberhalb der Steilküste, Dünengebiet, traumhaft. Dann … ja, dann … Die einsame Weite mehr oder weniger genutzter landwirtschaftlicher Fläche. Es ist eine merkwürdige Weite. Ich verliere mich darin, ich löse mich auf, ich verschwinde. Ein leicht beklemmendes Gefühl macht sich breit. Ich werde erst wieder ganz ich auf dem Rückweg, in den Dünen. Die Landschaft im Inneren kann ich nicht deuten. Obwohl man manches Haus sieht, schlicht und geduckt, ein Auto davor, ein geöffnetes Fenster, fühlt es sich an als wären trotzdem kein Menschen dort. Und trifft man dann doch auf Menschen, scheinen sie weit weg, man geht an ihnen vorbei, als gäbe es zwei Welten ohne Berührungspunkt.

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Brunnen ohne Wasser

Tag 18. Sonntag morgen um 7.30 Uhr auf dem Platz «1. Mai». Brunnen nach wie vor ohne Wasser, dafür geschmückt mit leeren Bierflaschen. Bierflaschen zuhauf auch neben den Abfalleimern. Samstagabend ist demnach Biertrinkabend am Hauptplatz.

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Wohnblock – authentisches Wohnen

Tag 17. Es war Ente gestern, kein Frosch. Köstlich. In Orangensauce, dazu Reis mit dreierlei Arten Rosinen.

Ich denke, es ist eine Gabe, sich an die Gegebenheiten eines Ortes anpassen zu können, an die Lebensweise. Eine halbe Stunde durch zahlreiche öde Strassen im «Sektor B» laufen, um ein feines Müesli zu essen statt gefrorener Tomate. Das Bier auf der Esplanada aus der Flasche trinken, wie die Arbeiter. Den Vorteil geniessen, dass man die Hose mit Tonflecken weiterhin anziehen kann, ohne dadurch aufzufallen.

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Hoffentlich kein Frosch

Tag 16. Bewölkt und Regen, so soll es sein heute. Das bedeutet hier jedoch etwas anderes als in Chur. Der Himmel gräulich, warm ist es trotzdem. Regen? Kommt vielleicht irgendwann. «Pottery workshop» gebucht, um den schlechten Wetter zu entgehen … Haha, am Strand hätte man liegen können!

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Kein glückliches Huhn

Tag 15. Ob ich, draussen am Tisch sitzend, schreiben möchte? Ja, auch wenn das junge französische Pärchen an mir vorbei läuft. Er hängt nun nasse Strandsachen auf, sie duscht. Irgendwie wenig Privatsphäre in diesem Haus. Ich ignoriere das gerade und trinke ein dunkles Bier, Sagres Preta.

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Aljezur

Tag 14. Ich möchte berichten: ein grossartiger Tag. Sogar die Taxifahrt nach Aljezur hat stattgefunden. Anruf, portugiesisches Geplapper, Durchstellen, englisch-portugiesisches Geplapper. Wo ich wäre? Bäckerei Sektor B. Alles klar?! Das Taxi kommt tatsächlich und bringt mich, trotz querender Schafherde, in die Stadt. In die – vom Fluss – zweigeteilte Stadt. Altes, ja, maurisches Aljezur mit Burg, neues Aljezur, zweckmässig, mit neuer Kirche. Das alte bietet natürlich zu viele Fotomotive, man muss sich zusammenreissen, um nicht jede Gasse, jede Ecke abzulichten. Traumhaft. Könnte auch irgendwo in Afrika sein.

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