Kaffee gestampft

Es ist 19 Uhr, zum Abendessen gab es Fisch, und jetzt sind wir ziemlich müde. Mohammed, der deutschsprechende Stadtführer, hat uns die Augen für Sarajevo geöffnet. Bisher kannte ich den Namen der Stadt nur in Verbindung mit einem Krieg vor nicht allzu langer Zeit. Nun ist mir dieser Ort lebendig geworden und wird mir im Gedächtnis bleiben. Die Mischung aus Moscheen, orthodoxen Kirchen, katholischer Kirche mit der Statue von Papst Johannes Paul II. davor, Stadthäusern aus der k.-u.-k.-Monarchie, dem Basarviertel, modern westlich gekleideten Einwohnern, muslimischen Frauen mit Kopftuch, katholischen Nonnen fasziniert. Mein Staunen ist gross. Die Händler sind angenehm zurückhaltend, keiner quatscht den Besucher an, keiner möchte einen in den Laden zerren. In dieser Hinsicht war Jerusalem deutlich anstrengender, und nicht nur in dieser Hinsicht.

→ weiterlesen

Wohltemperiertes Wasser

Die Auswahl am Frühstücksbüffet ist riesig. Von den letzten zwei Wochen bin ich allerdings so satt von den unterschiedlichsten, leckersten und ungewohntesten Sachen, dass ich vermutlich nur ein Croissant essen werde. Erstmal einen Kaffee trinken.

Gestern ist mir aufgefallen, dass die Toiletten seitlich einen Hahn haben; betätigt man ihn, sprudelt wohltemperiertes Wasser hervor und man kann sich säubern. Wozu Klopapier hamstern? Der Eigentümer des Hotels ist Araber und denkt an seine zahlreichen Gäste aus seiner Region. Die Tische der Grossfamilien sehen nach dem Frühstück wie Schlachtfelder aus, da hilft auch das Wasser nicht. Geld schleift nicht automatisch Manieren. Oder es ist ein Zeichen von glücklichem Essen im Überfluss.

→ weiterlesen

Arabischer Kaffee in Sarajevo

Das Zimmer des Swissôtel Sarajevo liegt im 17. Stockwerk und gibt den Blick über grosse Teile der Stadt frei. Traumhaft.

Die Autofahrt von Belgrad hierher war sehr kurzweilig, obwohl lang und verregnet. Die Dörfer entlang der Strasse in Serbien waren gepflegt, mit schönen grossen Gärten. Viele im Bau befindliche Häuser; ob die Besitzer im Ausland arbeiten und nach und nach bauen? Der Grenzübergang war unkompliziert, Stempel in den Pass in Serbien, Stempel in den Pass in Bosnien-Herzegowina. Weiter, weiter …

→ weiterlesen

Belgrad

Central Point Hotel in Belgrad. Perfekter Empfang, Parkplatz, Ladestation. Frohgemut sind wir Richtung Altstadt losmarschiert. Eine unglaublich spannende Mischung aus abgasgeschwärzten Wohnblocks, schönsten Stadthäusern, kleinen Lädchen und Luxusgeschäften. Popcorn scheint beliebt zu sein, Tauben sitzen auf den Verkaufsbüdchen und lauern auf einen Leckerbissen. Die Menschen sind modern gekleidet, lässig, städtisch. Belgrad versprüht viel Charme, zu meiner Überraschung. Man fühlt sich wohl in den Strassen, obwohl der Verkehr nicht zu verachten ist. Tolle Mode wird angeboten, traumhaft schöne Buchhandlungen habe ich erblickt. Vor dem Parlament wird gerade eine Tribüne aufgebaut. Später beim Hotel Moskva auch. Wie sich herausstellt, findet morgen keine kommunistische Parade statt, sondern ein Red-Bull-Autorennen. Ach, diese Vorurteile! Irritierend waren dann doch die Militärjets, welche im Tiefflug über die Häuser donnerten und das Trommelfell fast zum Platzen brachten.

→ weiterlesen

Platz der Einheit mit Pestsäule

Ich halte es kurz, es ist ein kurzer Aufenthalt in Temeswar. Das Zimmer im Savoy ist nicht bezugsbereit, wir sind zu früh. Finden bereits beim zweiten Anlauf eine Ladestation und schlendern zum grossen «Platz der Einheit». Eine Augenweide, der Platz ist umsäumt von barocken, pastellfarbenen Palais und Kirchen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In der Mitte befindet sich sogar eine Pestsäule, ebenfalls Erbstück aus habsburgischen Zeiten. Milchkaffe und frischer Saft im Café Bruck, ein stolzes Haus im Jugendstil von 1908.

→ weiterlesen

Plastik-Tischdecken am Meter

Ich bin des Schauens ein wenig müde, ich habe mich ins Erasmus-Café mit Buchhandlung im Teutsch-Haus zurückgezogen. Die eine Angestellte spricht nur Rumänisch, die andere kann Deutsch mit hartem Ost-Akzent. Es gibt unter anderem eine nette Auswahl an Büchern in deutscher Sprache. Ich habe Kafkas «Verwandlung» und Roths «Radetzkymarsch» gekauft. C. ist oben im Archiv und sucht nach Vorfahren der Lienert-Linie; der Stammbaum weist einige Lücken auf an dieser Stelle.

→ weiterlesen

So viel Eis in der Waffel!

Wir sind in Hermannstadt angekommen. Ich sitze im Zimmer im Hotel «Exclusive and more», und es fehlt mir an Schreibinspiration. Ich möchte jedoch fleissig sein und Buchstaben auf das Papier bringen. Die Lobby ist von biertrinkenden, fröhlichen Männern besetzt. Also doch Zimmer. Der vorhandene Stuhl ist zu niedrig für den Schreibtisch, ich bräuchte lange Affenarme und ausfahrbare Augen. Der Stuhl passt eher zu dem kleinen Bistrotisch, welcher sich in der dunkelsten Ecke des Raumes befindet. Da bräuchte ich Luchsaugen. Da ich nur eine Lesebrille besitze, schiebe ich Tisch und Stuhl unter die vorhandene Deckenleuchte; leicht bucklig kann ich nun schreiben.

→ weiterlesen

Gerupfte Federn

Es ist 20.30 Uhr, Montag abend. Die Lobby ist fast leer, es wird live Piano gespielt und es gibt einen Ober, der beflissen den Whisky an den Tisch bringt. Der letzte Tag in Kronstadt. Ich freue mich auf die Weiterreise.

→ weiterlesen

Unveränderter Blick

Heute ist Sonntag. Damit wir der gestern erwähnten internationalen Lautstärke aus dem Weg gehen, sind wir bereits um 7.30 Uhr zum Frühstück marschiert. Es war festzustellen, dass andere noch vor uns da waren. Nämlich Gruppen, welche mit dem Bus zur nächsten Sehenswürdigkeit – Bran, Sinaia, Peleș … – transportiert werden sollten. Wie auch immer, man lernt mit den Gegebenheiten klarzukommen. Das Büfett war überwältigend vielseitig. Es gab zwar nur zwei Sorten Marmelade, für Deutsche vermutlich, jedoch unzählige Variationen an Deftigem und Kuchen. Fein, fein.

→ weiterlesen

Die geschlossene Milchsammelstelle

Wir sitzen in der Lobby im Hotel Aro in Kronstadt und trinken Whisky. Demselben Aro, an welchem meine Familie und ich vor über dreissig Jahren, in der goldenen kommunistischen Ära, vorbeigingen und keinen Einlass hatten, da wir rumänische Bürger waren und keine Ausländer mit Devisen, welche durch das Hotel beeindruckt werden sollten.

→ weiterlesen