Tag 13. Água sem gás und Vinho verde, zurück in Vale da Telha. Davor Wandersachen gewaschen. Davor geduscht. Davor war ich in Arrifana. An sich ein vollkommen banaler Ort. Die kleinen, hübschen, alten, wenigen Häuschen kleben am Hang, oberhalb des schönen Strandes. Auf der Steilküste wird gebaut oder ist schon gebaut worden, gross, leicht protzig, mehrstöckig. Unpassend. Aber mit Blick auf das blaue Meer. Arrifana als Urlaubsort? Niemals. Auch wenn das Café «Sea You Surf» sehr sympathisch war, das Chicken toast, Galão und Walnusskuchen äusserst lecker.
→ weiterlesenBescheidenes Frühstück
Tag 12. Gestern Abend lag ich voller Zweifel im Bett: Fünf Wochen Costa Vicentina?! Wo bleibt die Abwechslung? Wieviel Abwechslung ist nötig? Oder meint man nur, dass man sie bräuchte? Es folgte eine Nacht mit wenig Schlaf.
→ weiterlesenAljezur. Und doch nicht.
Tag 11. Ich warte auf das Taxi nach Aljezur. Allerdings: Mit gewissem Entsetzen habe ich festgestellt, dass meine gebuchte Unterkunft gar nicht im echten, alten Aljezur liegt, sondern in einem Wohnviertel 8 km entfernt! Was habe ich mir dabei gedacht?! Nicht genau geschaut. Na gut, ist nicht mehr zu ändern. Dafür ist es näher am Fischerpfad. Meine Güte!
→ weiterlesenSüdwind
Tag 10. Südwind. Starker Südwind.
Vergeblich an der Bushaltestelle gewartet, auf einen Bus nach Carrapateira. Die Haltestelle an sich ist als solche erkennbar. Einen Fahrplan gibt es nur für die Linie Lagos – Sagres, alles andere muss man wissen. Nach längerem Googlen war klar: Der Bus fährt nur Montag bis Freitag nach Carrapateira. Planänderung also. Letztendlich eine gute Sache, musste nämlich wahrnehmen, dass der Wind heute einen fast von den Klippen wehte. Die Tour von Carrapateira zurück wäre furchtbar gewesen. Also Strand: Cordoama und Castelejo. Rote Flagge an beiden. Der vom Wind bodennah getriebene Sand wie Nadeln auf der Haut. Es liessen sich glücklicherweise auch windstille Plätze finden. Wilde Wellen, deren Schaumkronen vom Wind zurück Richtung Meer getrieben werden. Surfer, viele Surfer, die ihr Können unter Beweis stellen. Vereinzelt typische Strandbesucher. Kluge mit Strandzelt, andere mit Schirmchen. Ein (schadenfroher) Genuss, einem Paar zuzuschauen: Er hat unermüdlich mit dem Schirm im Wind gekämpft, sie hat nicht aufgehört zu meckern. Erst als sie es selber probiert, wird der Schirm aufgegeben; es wird nichts mit gemütlichem Picknicken am Strand.
→ weiterlesenKneipengenossen im Convívio
Tag 9. Ob es draussen neblig aussieht oder die Sonne blendet: die meisten portugiesischen Männer trinken zu ihrem ersten Kaffee einen Schnaps. An der Theke. Und manchmal noch einen.
Der dürre, ältere Koch aus dem Restaurant Pisco kommt nachmittags im Convívio vorbei, ein- bis zweimal, um ein Glas Wein zu trinken. Vermutlich verkraftet er es nur so, vegetarische Pizza zuzubereiten statt Muscheln, Oktopus oder Steak. Er nickt mir mittlerweile freundlich zu, wir sind Kneipengenossen, im Convívio.
→ weiterlesenDünen bei Carrapateira
Tag 8. Galão und ein Sandwich im Café Nascer do Sol, 7.20 Uhr. Um acht Uhr fünfzehn Treffen mit Ana Carla.
Wenn eine Windböe ins Fonte Velha fährt, ächzen die Dachbalken. Ein ehemaliges Landhaus, heisst es. Zuviel entfernt beim Renovieren? Heute ist hier Feiertag. Das helle Morgenlicht ergiesst sich über den Platz der Republik, es blendet bereits. Die Kirche verliert ihre Konturen in diesem Licht. Der Fernseher läuft, ein paar wenige Männer aus dem Ort kommen vorbei, um einen Kaffee zu trinken.
→ weiterlesenWenige Worte
Tag 7. Ich denke gerade nach. Ich bin durch Landschaften gegangen, die wie ein Gewürzgarten riechen. Nach Zistrosen, Kräutern, Eukalyptus. Ein eher süsslicher Geruch. Ich habe ihn tief in mich aufgenommen. Am Meer der Geruch nach Meer. Das Licht so hell, die Sonne so warm, der Wind erfrischend. Feldlerchen. Viele Vögel die ich nicht kenne. In den Barrancos Gezwitscher wie im grünen Urwald – zumindest stelle ich mir den Urwald so vor. Der, nein, die Strände so weit, so wild, so frei. Die Wellen so laut. Soviel Schönheit verhindert viele Worte.
→ weiterlesenCabo de São Vicente
Tag 6. Los mit Wanderführerin Ana Carla, von Vila do Bispo nach Cabo de São Vicente. Wunderbar.
Zuerst durch die ländliche Umgebung von Vila do Bispo, hügelig, zum grossen Teil nicht mehr bewirtschaftet. Feldlerchen, Ziegen, Schafe. Ein weisses Pferd inmitten einer braunen Kuhherde. Grosse, schwere, schöne Tiere, friedlich lagernd. Dann beginnt der Weg oberhalb der Küste, auf der Hochebene. Blicke in die Ferne oder auf beeindruckende Buchten. Felsen gelb, weisslich, schwarz, rot. Untergrund sandig, steinig; breit oder schmal der Pfad. Verkrüppelte Kiefern, auf dem Boden kriechender Wacholder, Lavendel, Thymian, Curryblumen, Zistrosen, Iris. Teils zusammengewürfelt, wie ein wunderbar gestalteter Garten. Möwenflug. Flug von Falken. Storchennest weit draussen, auf einer Felsspitze über dem Meer. An manchen Stellen befestigte Seile für die Fischer, die Muscheln sammeln, sich dafür die steilen Hänge runter- und raufhangeln. Lebensgefährlich! Eine Berufung, sagt Ana Carla. Ich frage sie, ob man guten Gewissens diese Muscheln im Restaurant bestellen kann. Ja, auf jeden Fall, ist die Antwort, die Männer tun das nicht des Geldes wegen, nicht allein, sondern aus Leidenschaft. Sie würden es so oder so tun.
→ weiterlesenOrt ohne Sehenswürdigkeiten
Tag 5. Ich warte dass es 15 Uhr wird, dann hole ich meinen Koffer und lasse mich nach Vila do Bispo fahren. Ich ziehe um heute, in die Stadt ohne Sehenswürdigkeiten, laut Internet. Die meisten Besucher verbringen hier eine Nacht, auf ihrer Wanderung auf dem Fischerpfad. Ich bleibe sechs Nächte. Ich fürchte mich nun davor.
→ weiterlesenGraues Sagres
Tag 4. Natürlich habe ich auf das Frühstück um halb neun verzichtet. Hielt mich für besonders schlau, bereits um sieben Uhr ein Taxi nach Sagres zu nehmen, nur um festzustellen, dass die Stadt im grauen Nieselregen versinkt. Öde, öder, Sagres. Um acht Uhr eröffnet immerhin ein Spar; ich kaufe Wasser. Kurz nach acht öffnet ein Café, ich bestelle Galao und Gipfeli. Die Rettung, meine Depression hält sich in Grenzen.
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