Steinbock-Zimmer im Rössli

Erneut hier, im Gasthof Rössli, zum Abendessen, Theater, Übernachtung. Der Weg hierher unter überwiegend bewölktem Himmel, was der Schönheit der Landschaft keinen Abbruch getan, sondern sie eher betont hat.

Ich sitze allein in der holzgetäfelten Gaststube, der Boden braune Dielen, die Wände weisses Holz, die Holzdecke blau-grün. Auf den Holztischen kleine Glasvasen mit frischen Zweigen und einzelner Tulpe. Die junge Dame im Service ist so steif und unterkühlt, dass ich befürchten muss, die Tulpen würden vereisen. So tun, als wäre sie nicht da, wäre wohl am besten. Die Stube so warm, die Frau so kalt.

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Bun di. Buna saira.

Langstrecke in der Surselva ausprobiert, laufen ohne Pause, Trinken erlaubt. Mein linkes Knie war am Ende nicht so begeistert von der Strecke wie ich. Ob ich es wiederholen würde? Ja, bis ins Dorf Surrein, begleitet von Vogelgesang und Grillengezirp. Und dieses Dorf, Surrein, sowas schon mal gesehen? Vom Aufbau her … nein. Man müsste alle Dörfer der Surselva besuchen und staunen.

Bun di. Buna saira. Regen kam erst abends in Chur, unterwegs Sonne, blauer Himmel, weisse Wolken.

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Gasthof Rössli in Mogelsberg

Am Ostermontag hätte ich am liebsten Tränen der Rührung vergossen; nicht wegen des Papstes Tod, sondern im Angesicht einer landschaftlichen Schönheit. Der hügelige, sattgrüne Landstrich voller Blumen, und öfter mit einem blühenden Baum, lässt die Seele nicht ohne Rührung hindurchlaufen – so empfinde ich das. Bis nach Mogelsberg eine frühlingshafte Wonne mit anschliessendem Cappuccino im Gasthof Rössli. Das Haus, die Speiseräume sind so gepflegt und hübsch, dass ich spontan frage, ob am nächsten Wochenende ein Zimmer frei sei, und ich reserviere eines. Es soll auch eine Theateraufführung geben und davor ein Drei-Gänge-Menü. Na sowas.

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Tösstal – überraschend schön

Wunderbar! Von M. geführt, drei Teilnehmer, eine Wanderung für die Sinne. Abseits vielbegangener Pfade, grüner Waldboden voller Blümlein, hohe Tannen, kleine Wasserfälle, Bächlein, spannende Felsformationen, Ursprünglichkeit an vielen Stellen, so wild, als wäre die Zeit stehen geblieben. Eine Ur-Natur, so kommt es mir vor, Plätze, an denen man Stunden verweilen möchte, weit weg vom Lärm, verbauter Landschaft und dem Alltag. Oft werden Touren zu «Kraftorten» angeboten. Da habe ich meine Bedenken … gezielt einen Punkt aufsuchen um «Kraft» zu empfinden? Ich meine, so etwas ergibt sich – so wie jetzt – oder eben nicht. Meine Seele ist also doch nicht blind.

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Etwas blind in der Zentralschweiz

Es ist mein zweiter freier Mittwoch, und natürlich war ich wandern, denn so stelle ich mir meine freien Tage vor: wandernd. Schindellegi – Einsiedeln war geplant, über Etzel Kulm. In Einsiedeln bin ich angekommen, aber nicht zu Fuss, sondern mit einem Bus. Der Weg über den Seeviadukt bei Willerzell war so schmal und dicht befahren, dass ich mich nicht getraut habe, drüber zu laufen. Törichter Vorschlag der Wander-App. Also habe ich mich in der örtlichen Bäckerei mit einem Erdbeertörtchen getröstet und auf den nächsten Bus Richtung Einsiedeln gewartet.

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Rheintaler Höhenweg

Frühling pur! Sprossende Bäume, blühende Blumen und ein intensiv grünes Gras, blauer Himmel, in der Ferne weisse Gipfel, Vogelgezwitscher ohne Unterlass, der Schrei von etlichen Rotmilanen. Einer der Milane kreist zuerst über dem Feld, dann über mir. So tief, so nahe, dass ich einzelne Federn erkenne, ihm in die Augen schauen kann und einen Schnabelhieb erwarte – der jedoch ausbleibt. Duft nach Bärlauch, nach wildem Kraut. Kühe und Schafe und Lämmer im frischen Gras, neugierig schauend.

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Uetliberg zum Hinfallen

In 0,1 Sekunden flach auf dem Rücken zum Liegen kommen, funktioniert unter bestimmten Umständen.

Es ist ein nebliger, feuchter Herbsttag, aus dem Kühe schemenhaft rausschauen und kauen. Mammutbäume säumen den Einstiegsweg; sie werden noch ein wenig wachsen müssen, bis sie ihrem Namen alle Ehre machen, hübsch sind sie auch in klein. Dann beginnen die angekündigten verschlungenen Pfade um den Uetliberg. Diese Pfade sind einsam, schmal und glatt wie Schmierseife. Jeder Stein, jede Wurzel ist nass und glitschig. Junge Bäumchen, hohes Gras, Büsche und auch mal ein dornenbewachsener Zweig, an denen man sich festhält, verhindern ein Rutschen den Hang abwärts. Keine grossen Höhenunterschiede, angenehm wäre es trotzdem, nicht hinunterzugleiten. So wird aus einem Spaziergang bei trockenem Wetter eine kleine herausfordernde Tour. Der Wald mystisch schön, bunt, nebelverhangen. Ich meistere Meter um Meter, nehme mich in acht vor glatten Stellen, wage mich jedoch unbedacht auf ein Holzbrett, welches eine morastige Stelle überquert. Ich setze an zum ersten Schritt und – da liege ich. So schnell war ich noch nie in ganzer Länge auf dem Boden. Der Rucksack verhindert grösseres Weh, und ich stehe auf, etwas verdutzt und verlegen lächelnd. Ja, ich kann weiter, nichts passiert … Nur die Erdflecken auf meiner Hose deuten das Missgeschick an.

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Macun-Seen – mit Eiskristallen

Die Erinnerungen an die Macun-Seen vom 19. August 2023, also mitten im Sommer, sind mir noch gegenwärtig im Gedächtnis. Damals haben wir unsere erhitzen Füsse in kaltes Wasser getaucht – eine Wohltat. Heute, am 19. Oktober 2024, sind Handschuhe und Mütze eine Wohltat. Die Seen liegen in der verschneiten, weiten, einsamen, wilden Hochebene. Die Unwirtlichkeit der Landschaft beeindruckt mich tiefer als das Türkis und das Grün des Sommers. Spuren von Gemsen und Schneehühnern im Schnee lassen staunen. Leben in der eisigen Einöde ist also möglich; Grasbüschel, umhüllt von klarer Eisschicht, deuten eine Möglichkeit an, Nahrung zu finden.

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Winterherbst in S-charl

Drei Tage im leuchtend gelben, herbstlichen Tal S-charl. Schlagworte, die im Herbst, in den Bergen, in Graubünden auch mal ihre Gültigkeit verlieren können. Nachträgliche Umbenennung in «Winterwandern mit Sichtung einzelner Pilze» wäre angebracht.

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