Auxerre, als Zwischenstopp mit Übernachtung gedacht auf dem Weg zum Mont-Saint-Michel, entpuppt sich als wundersam schöne Stadt. Nicht alle Häuser befinden sich in bestem Zustand, bei weitem nicht. Täten sie es – wir befänden uns in einer Bilderbuch-Altstadt! Fachwerkhäuser in allen Arten, Farben und Gestalten, man kann sich nicht sattsehen. Dazwischen Steinhäuser mit grossen Fenstern und ebenso grossen Holzfensterläden in pastellenen Farben. Enge, sehr enge Gassen und eine mächtige Kathedrale. Der helle Sandstein der Häuser und Kirchen blendet das Auge bis zu Tränen im Licht der durchbrechenden Sonne. Gerüche in den Strassen, die man so nicht kennt: modrig, blumig, fremde Speisen. Der Fluss Yonne fliesst träge dahin, und im Abendrot spiegelt sich darin die Kathedrale. Der Autoverkehr zum Feierabend rasant und laut in den engen Strassen, es heisst gut achtgeben bei jedem Überqueren oder Richtungswechsel. Nach 22 Uhr wird es ruhig.
→ weiterlesenWildschweine im Paradies
Still und heimlich auf die Frühstücksterrasse geschlichen. Ja, es gibt zwei Terrassen, eine mit Morgensonne, die andere für den Nachmittag. Noch niemand hier, Gezwitscher, in der Ferne Mopedgeräusche und ein vorbeifahrender Zug, Eichelhäher in unmittelbarer Nähe, die Weinberge ziehen sich fast senkrecht die Hügel hoch. Jetzt und hier kann ich erzählen von der Wanderung vom 14. Mai, Cannero – Ascona, 27,2 km, 6 Stunden 43 Minuten.
→ weiterlesenFeigen vor dem Fenster
Ich hatte die Terrasse der altmodisch eingerichteten, etwas in die Jahre gekommenen Osteria eine gute Stunde für mich. Zimmer mit Charme der siebziger Jahre, allerdings Loggia mit Schiebefenster. Wären die Feigen reif gewesen, hätte ich nur die Hand ausstrecken brauchen, um mindestens eine Frucht zu ergattern. Auf der Terrasse Wind, Sonne, Vogelgezwitscher, eine faule Katze. Jetzt, zur Apéro-Zeit, hat es sechs andere Gäste, deren Geniessen offenbar im Erzählen von Banalitäten besteht. Laut und alles übertönend. Ich bestelle ein Glas Wein und hoffe, dass der Trunk mich ermuntert, etwas über die Wanderung hierher zu berichten – trotz Lärm.
→ weiterlesenDer einzige Mensch
Ein dunkles Moretti, pikante Oliven, Chips, Erdnüsse. Wie soll ich es sagen? Sonne, Plätschern von kleinen Wellen (nicht nur Meereswellen plätschern, wird mir bewusst), lässige Musik. Ich habe in der Tat Ferien, Ferien, Ferien!
Den mit Komoot für heute geplanten Weg von Verbania nach Cannero habe ich grösstenteils ignoriert und bin stattdessen der Ausschilderung gefolgt. Welch ein Glück! Urtümliche Wälder, Pfade durch alte Dörfer und Hintergärten, immer wieder Sicht auf den Lago Maggiore. Betörender Jasminduft, Bananenstauden, Palmen, Zitronenbäume.
→ weiterlesenDelikatessen in Verbania Intra
Das La Casera ist ein Delikatessenladen, in welchem Schinken von der Decke hängen. Schlaraffenland sozusagen.
Auf dem Weg nach Intra habe ich das mondäne Verbania Pallanza durchquert. Pallanza ist so hübsch, dass ich mich gefragt habe, wieso ich es noch nicht kannte. Na gut, ich wohne in Intra, im La Contrada, einem alten Stadthaus. Mein Einzelzimmer bezogen, mit Einzelfenster und Einzeldusche. Es wäre ungünstig, weiter an Gewicht zuzulegen mit solch einer Dusche.
→ weiterlesenDie Römer und ich in Mergozzo
Es fällt mir ein, dass ich, obwohl bereits gestern eingetroffen, noch nichts über Mergozzo berichtet habe. Ständen da nicht italienische Schilder, könnte man sich auch irgendwo im Tessin wähnen. Die Art der Häuser, hauptsächlich Steinhäuser, abbröckelnder Putz, kleine und grosse Kirche, traumhafte Lage am See, natürlich auch ein, zwei Boote und eine Gelateria, nicht vorhandener Bürgersteig vom Bahnhof in den Ort, dann aber eine reizvolle Promenade am Wasser bis zu meiner Unterkunft La Quartina – da haben wir Mergozzo. Unterwegs Schwalben, Kormorane mit ausgebreiteten Flügeln in der Sonne, Enten, eine Wasserschildkröte. Die Terrasse des Hotels bietet die schönste Möglichkeit zu sitzen, etwas zu trinken, zu schauen oder nichts zu tun. Das Feriengefühl hat sich sofort eingestellt. Der Blick kann schweifen: Über den Lago Mergozzo, zu grünen Hügeln und Bergen, zum Dorf in gewisser Entfernung und zurück zu den Blümchen in der Vase auf dem Tisch. Die Kinder auf dem Spielplatz in der Nähe stören nicht. Wie kommt das? Die Gelassenheit ist hier viel ausgeprägter als daheim.
→ weiterlesenGallarate – schon davon gehört?
Genau 8 Uhr! Die Reise hat begonnen. Milchkaffee und Laugengipfeli mit Thon. Es ist sehr kühl draussen, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es heute 20 Grad werden sollen. Schlecht geschlafen habe ich, Niesen, Naselaufen. Versucht, das zu ignorieren. Rucksack gepackt (erstaunlich schnell). So leicht wie möglich, dachte ich mir, muss er sein. Ich werde auch zum Abendessen Wanderhosen tragen, die neuen, roten von Maier. Nach dem Packen habe ich noch ein Nickerchen gehalten – jetzt fühle ich mich etwas besser. Kurz vor neun startet der Bus nach Bellinzona. Sieben Tage zu Fuss von Mergozzo nach Gudo sind vorgesehen.
→ weiterlesenAlter Schin
Bewölkt, ein paar wenige Velofahrer unterwegs. Regentropfen hie und da, nicht kalt. Hasen und Rehböckchen gesichtet, sehr aufmerksame Herdenschutzhunde bei ihren Schafen auch. Sie beeindrucken mich durch ihre Bereitschaft, die anvertrauten Tiere zu bewachen und zu beschützen.
Eine tolle Wanderung! Die Arena des Creux du Van, von oben betrachtet, ist sehenswert. Die bedrohlich wirkenden Felswände und Tobel des Schin sind nicht nur sehenswert, sondern lassen den Betrachter schrumpfen. Klein und ausgeliefert habe ich mich gefühlt angesichts dieser Naturgrössen und ihrer Wildheit. Die Felswand würde nicht nachschauen, ob gerade jemand unter ihr unterwegs ist, bevor sie abstürzt.




3. Mai 2025, Lantsch/Lenz – Cazis, 16,8 km, 3 Std 45 min
Zu früh im Tremondi
Vor fünf Jahren, fast taggenau, bin ich die gleiche Strecke langgewandert. An manches kann ich mich erinnern, an anderes nicht. Etappenweise erschien mir der Weg heute ein Spazierweg geworden zu sein, zwischen Seeanlegestellen, teils mit Laternen. Hübsch. Und verführerisch. Denn etliche sind in Turnschuhen unterwegs, wohl denkend, dass die gesamte Strecke eine Promenade sei. Es gibt etliche Auf- und Abstiege die zwar auch mit Turnschuhen zu meistern sind, leichtsinnig finde ich das allemal. Wieso verstauchen sich nicht mindestens 10% der Leute die Knöchel? Woher nehmen Rentner den Mut, die Strecke abzulaufen, obwohl sie ständig stolpern, und das mit Wanderstöcken? Übergewichtige schnaufen und krampfadergeplagte Gelegenheitswanderer kämpfen. Das Publikum hat sich verändert. Womöglich mittlerweile eine Must-do-Strecke in den sozialen Medien.
→ weiterlesenKöstliches Frühstück, ganz schnell
Das war die heutige Tour: der Himmel bewölkt, die Wolken auf mittlerer Höhe, Regen blieb aus. Der Duft, die Farben des Frühlings berauschend, erinnere mich nicht, diese Jahreszeit je so intensiv erlebt zu haben wie jetzt. Unterwegssein ist wohl die Antwort.
Je öfter man unterwegs ist, desto mehr muss man feststellen, dass die dörfliche Schweiz nicht nur aus idyllischen Dörfchen besteht. Alte Häuser sind oft vertreten, in Strickbauweise, mit Holzbemalung oder mit unzähligen Plättchen bedeckte Fassaden. Etliche Gebäude in gutem Zustand, viele in kläglichem Zustand. Langweilige Neubauten, geschlossene Gaststätten, verlassen aussehende Bahnhöfe wirken trostlos.
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