Man wird hin und her gerüttelt. Nicht nur auf den unglaublich schlechten Strassen, sondern auch optisch und empfindungsmässig. Zigeunerpaläste von hässlicher Protzigkeit wechseln sich ab mit ärmlichsten Häusern, in ein und demselben Dorf. Kleinstadtstrassen befinden sich in einem Zustand der Auflösung – wenige Kilometer weiter beginnt die superneue Transilvania-Autobahn.
→ weiterlesenIst das Rumänien?
Es ist 20.48 Uhr und ich habe bereits das Pyjama an. Darüber einen Frottee-Bademantel, weiss, lang bis zum Boden, die Ärmel hängen wie Flügel an einem toten Vogel. Die Lichtschalter sind weit unten, für Zwerge geeignet. Die Wasserspülung befindet sich hoch über der Toilette, für Riesen gedacht. Der Spiegel im Bad hat blinde Flecken, für alle. Es ist ein Zimmer im Continental Forum in Oradea. Mit Blick auf die Kreisch und fussläufig zur Altstadt.
→ weiterlesenNivellierung
Hatten wir gestern Budapest noch dafür bewundert, dass es eine echte, schöne Grosstadt ist, ohne Rummel, so sind wir heute eines Besseren belehrt worden.
Genau, es gibt die Touristenströme, und zwar rund um die Matthiaskirche im Burgviertel. Das Burgviertel ist eine kleine Stadt für sich, mit hübschen Strassen. Ruhig. Denkt man, spaziert weiter und hört plötzlich Stimmengewirr. Da kündigt sich etwas an, bestimmt eine Sehenswürdigkeit! O ja, die wunderschöne Kirche mit buntem Dach und die Fischerbastei. Schlangen an den Kassen, sofern man rein möchte. Möchten wir nicht, kein Anstehen bitte. Weiter, Richtung Burg. Baustellenareal, gelenkte Besucherströme. In zwei Jahren ist es vermutlich überall sehr schön hier, und vermutlich genauso voll. Lieber runter an die Donau und über die Elisabethbrücke auf die Pester Seite wechseln.
→ weiterlesenDas schönste Parlament
«Diese Stadt hat Eleganz, Charme, respektable Bauten, sie ist keine Touristenfalle, sondern das natürliche Zentrum einer selbstbewussten Nation», sagt C.
Das Parlament in Budapest, bei Nachtbeleuchtung fotografiert, mit sanft plätschernder Wasserfläche davor und vorbeigehenden Menschensilhouetten wie Scherenschnitten, fasziniert. Noch heute morgen waren wir in Bratislava, doch das scheint jetzt Monate zurückzuliegen. Budapest nimmt einen gefangen. Optisch beeindruckend. Eine wahrhafte Hauptstadt mit einer unglaublich lässigen Stimmung, viel Verkehr, engen Strassen, breiten Boulevards, weiten Plätzen und grossen Kirchen.
→ weiterlesenWir nähern uns dem Osten
Linz am Montagmorgen um halb sieben. Die typischen Geräusche der Grosstadt: Die Kehrmaschinen sind unterwegs und die noch fast leere Strassenbahn. Wenn die Bahn, von der anderen Seite über die Donaubrücke fahrend, auf den Hauptplatz stösst, gibt es ein Geräusch wie Donnergrollen. Kein Filmstudio könnte es besser nachahmen. Die Cafés mit ihren Kaffeespezialitäten und Obern in weissem Hemd mit schwarzer Hose und Weste sind noch geschlossen. Gestern bereits öfter ungarisch und rumänisch sprechende Besucher gehört. Wir nähern uns dem Osten …
→ weiterlesenAlte Welt
Die Nacht war kurz, sie war zu heiss, bei gekipptem Fenster zu laut, mit Klimaanlage kühler, dafür aber mit klapprig-flatternden Geräuschen. Die haben es nicht vereinfacht, Schlaf zu finden. Nicht so schlimm. Nach dem Frühstück sind wir gut gelaunt Richtung Linz losgefahren. Jawohl, Linz, und nicht etwa Wien. Wien kennt doch jeder …
→ weiterlesenWillkommen in der Grosstadt
Wir haben uns aufgemacht, um spontan zu reisen. Wenn möglich bis Kronstadt und zurück. Und Autobahnen vermeidend und den Weg dahin bereits als Urlaub betrachtend. Erwartungen an Hotels und Komfort halten wir in Grenzen, wir sind bereit für Überraschungen.
→ weiterlesenEigentlich sind wir Touristen
Landschaftlich betrachtet die schönste Etappe: von Rapperswil nach Einsiedeln. Lichte Wälder, kühl, mit frischer, feiner Luft und einem Reh. Danach, auf einer Anhöhe, die Kapelle und das Gasthaus St. Meinrad mit Weitblick. Geschwungene Hügellandschaft, grün, mit Blick auf ferne Alpen, der Himmel blau, betupft mit weissen Wolken, ein perfekter Sommertag. Rotmilan, Grillenzirpen, riesige Kreuzspinne beim Weben ihres Netzes, grasende Kühe auf Hügelkuppen, gepflegte Höfe. Der Sihlsee und das Kloster Einsiedeln rücken ins Blickfeld. Wunderbar. Den heutigen Tag hatte ich mit Laufen über den Holzsteg von Rapperswil nach Hurden begonnen. Die Sonne färbte die vorhandenen Wolken rosa, das Licht glitzerte auf dem Zürichsee und die Wasservögel lärmten zu früher Stunde. Jetzt: Einsiedeln, gleich, das Ziel!
→ weiterlesenGeschlossene Gasthöfe
Durch die Altstadt von Rapperswil spazieren viele Besucher aller Art. Die meisten trinken etwas in den Cafés am Rathausplatz. Die Einheimischen sind woanders, und sie tun gut daran. Das stetige Vorbeilatschen der Touristen hat mich ins Restaurant Jakob getrieben. Es ist 17.20 Uhr und leer, die Musik cool. Hier kann ich schreiben, draussen konnte ich keinen Gedanken zu Papier bringen. Ich bin uncool angezogen, aber was soll’s, ich wandere. Tolle Altstadt, relativ klein, aber fein.
→ weiterlesenZeichen der Frömmigkeit
Sechs Stunden wandern, sechs Stunden unaufhörlicher Regen. Man hätte sich vielleicht gleich morgens in die Badewanne legen sollen, angezogen, mit Wanderschuhen, um komplett durchnässt loszulaufen. So hat es etwas länger gedauert, bis das Wasser in den Schuhen stand, und bei jedem Schritt schmatzte. Angekommen in Fischingen habe ich sofort geduscht und mir dann einen Rum und Schwarztee gegönnt. Danach ging es mir gut. Ich durfte die Schuhe in den Heizungsraum stellen und hoffe, dass sie bis morgen trocknen.
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