Enzianschnaps im Friesenberghaus

20. Juli, 8.08 Uhr, Hotel Viktoria. Sehr lange und gut geschlafen, das Frühstück lecker, um zehn Uhr Treffen mit den anderen Teilnehmern an der Ahornbahn. Die Zeit bis dahin überstehen … Wie wird die Gruppe sein? Gerade starkes Gefühl von Alleinsein. Wie gerne hätte ich jetzt ein Gegenüber, um sich gegenseitig zu ermuntern.

16.30 Uhr, Friesenberghaus. Seit einer kleinen Weile sind wir da. Bergschuhe aus, Hüttenschuhe an, Zimmer bezogen. Grosses Glück: Stockbetten, nur wir fünf Frauen, ich darf oben schlafen. Der erste Tag ist geschafft, 1300 Höhenmeter hochgelaufen, vier Stunden Gehzeit – meine Güte, also den Anstieg merkt man! Die Gruppe von acht Leuten zerfällt sehr bald nach dem Start in zwei Teile, fünf und drei. Teilweise warten wir 15 Minuten auf die drei Langsamen. Der Weg schlängelt sich auf schmalem Pfad hoch und höher, über Wurzeln und Steine, man steigt und schwitzt und steigt und schwitzt. Trinkpause. Wunderbare Sicht auf Berge und Gletscher.

Steigen und schwitzen. Trinkpause nahe einem Bergbach, wunderbares Gras, Blick auf karge, steinige Hänge. Weiter hoch, Steinplatten, die Hütte kommt in Sicht. Auf dem letzten Wegstück macht sich leichte Übelkeit bemerkbar. Ist es die Anstrengung? Ich habe den Eindruck, dass ich die Nüsse und Beeren (mein Mittagessen) nicht verdauen kann. Auf der Hütte bestelle ich mir einen Enzianschnaps. Und Pfefferminztee. Danach fühle ich mich wohl, und langsam meldet sich der Hunger. Ja, der erste Tag ist geschafft. Morgen soll es regnen.

Berliner Höhenweg, Tirol, 20. bis 25. Juli 2025