Es ist mein zweiter freier Mittwoch, und natürlich war ich wandern, denn so stelle ich mir meine freien Tage vor: wandernd. Schindellegi – Einsiedeln war geplant, über Etzel Kulm. In Einsiedeln bin ich angekommen, aber nicht zu Fuss, sondern mit einem Bus. Der Weg über den Seeviadukt bei Willerzell war so schmal und dicht befahren, dass ich mich nicht getraut habe, drüber zu laufen. Törichter Vorschlag der Wander-App. Also habe ich mich in der örtlichen Bäckerei mit einem Erdbeertörtchen getröstet und auf den nächsten Bus Richtung Einsiedeln gewartet.
Unterwegs ist mir aufgefallen: Keine kreisenden Milane, selten Vogelgezwitscher, die Flächen hauptsächlich Weiden – noch ohne Kühe und trotzdem blumenarm. Zuviel Asphalt oder Kies auf den Wanderwegen, tolle Ausblicke gab es jedoch.
Oberhalb von Willerzell gab es eine Infotafel: Erklärungen zu den Bergen ringsum und ein Foto vom Ort von 2015. Glücklicherweise sind Kirchtürme hoch, denn jetzt, 2025, erkennt man Willerzell von oben nur noch daran, am Kirchturm. Drumherum lauter Neubauten, typisch nichtssagende Gebäude. Einerseits schön, dass Dörfer wachsen, andererseits: Warum wird das Neue so gesichtslos gestaltet?
Unterwegs, auf einer offenen Fläche, habe ich einen Fuchs überrascht, so nah, so schön das Tier. Er schaute mich reglos eine Weile an und schnürte erst weg, als ich ihn ansprach. Hat er darüber nachgedacht, ob ich ihn wirklich sehe?
Ein Wiesel liess sich später kurz blicken; es lugte zwischen gefällten Baumstämmen hervor und wollte wohl den Weg überqueren, aber da war ich. Flink zurück ist das Wieselchen und unsichtbar für meine Augen in sein Versteck geflüchtet.
Wieso berührt mich die Landschaft der Zentralschweiz nicht so sehr? Habe ich meine Augen verloren? Einen Teil der sehenden Seele? Brauche ich die hohen Berge Graubündens? Oder doch nur etwas blind, momentan?




9. April 2025, Schindellegi – Willerzell, 17,5 km, 4 Std

