Frühling pur! Sprossende Bäume, blühende Blumen und ein intensiv grünes Gras, blauer Himmel, in der Ferne weisse Gipfel, Vogelgezwitscher ohne Unterlass, der Schrei von etlichen Rotmilanen. Einer der Milane kreist zuerst über dem Feld, dann über mir. So tief, so nahe, dass ich einzelne Federn erkenne, ihm in die Augen schauen kann und einen Schnabelhieb erwarte – der jedoch ausbleibt. Duft nach Bärlauch, nach wildem Kraut. Kühe und Schafe und Lämmer im frischen Gras, neugierig schauend.
Mein erster freier Mittwoch: Sonne, laufen, atmen, keine Eile. Der Rheintaler Höhenweg zwischen Altstätten und Rüthi ist unaufgeregt. Weite Blicke, kleine Dörfer mit ihren kleinen Kirchen. Kaum ein Mensch zu sehen, obwohl Wochentag und damit Arbeitstag. Ein perfekter Weg für den Frühlingsbeginn, ohne die Dramatik manches Pfades im bergigeren Graubünden.
Nur ungern würde ich in solch einem Dorf leben wollen. Täglich hätte ich den Eindruck, dass hinter den Nachbarsgardinen beobachtet wird, ob ich meinen Espresso schon getrunken habe oder noch nicht. Wenn, dann müsste es ein abgelegener Hof sein, über welchem die Milane kreisen und wo man sich die Frage stellt, ob zuerst die eigene Katze oder der Raubvogel die erste Maus greift.






2. April 2025, Altstätten – Rüthi, 16,8 km, 3 Std 45 min

