Uetliberg zum Hinfallen

In 0,1 Sekunden flach auf dem Rücken zum Liegen kommen, funktioniert unter bestimmten Umständen.

Es ist ein nebliger, feuchter Herbsttag, aus dem Kühe schemenhaft rausschauen und kauen. Mammutbäume säumen den Einstiegsweg; sie werden noch ein wenig wachsen müssen, bis sie ihrem Namen alle Ehre machen, hübsch sind sie auch in klein. Dann beginnen die angekündigten verschlungenen Pfade um den Uetliberg. Diese Pfade sind einsam, schmal und glatt wie Schmierseife. Jeder Stein, jede Wurzel ist nass und glitschig. Junge Bäumchen, hohes Gras, Büsche und auch mal ein dornenbewachsener Zweig, an denen man sich festhält, verhindern ein Rutschen den Hang abwärts. Keine grossen Höhenunterschiede, angenehm wäre es trotzdem, nicht hinunterzugleiten. So wird aus einem Spaziergang bei trockenem Wetter eine kleine herausfordernde Tour. Der Wald mystisch schön, bunt, nebelverhangen. Ich meistere Meter um Meter, nehme mich in acht vor glatten Stellen, wage mich jedoch unbedacht auf ein Holzbrett, welches eine morastige Stelle überquert. Ich setze an zum ersten Schritt und – da liege ich. So schnell war ich noch nie in ganzer Länge auf dem Boden. Der Rucksack verhindert grösseres Weh, und ich stehe auf, etwas verdutzt und verlegen lächelnd. Ja, ich kann weiter, nichts passiert … Nur die Erdflecken auf meiner Hose deuten das Missgeschick an.

→ weiterlesen

Macun-Seen – mit Eiskristallen

Die Erinnerungen an die Macun-Seen vom 19. August 2023, also mitten im Sommer, sind mir noch gegenwärtig im Gedächtnis. Damals haben wir unsere erhitzen Füsse in kaltes Wasser getaucht – eine Wohltat. Heute, am 19. Oktober 2024, sind Handschuhe und Mütze eine Wohltat. Die Seen liegen in der verschneiten, weiten, einsamen, wilden Hochebene. Die Unwirtlichkeit der Landschaft beeindruckt mich tiefer als das Türkis und das Grün des Sommers. Spuren von Gemsen und Schneehühnern im Schnee lassen staunen. Leben in der eisigen Einöde ist also möglich; Grasbüschel, umhüllt von klarer Eisschicht, deuten eine Möglichkeit an, Nahrung zu finden.

→ weiterlesen

Winterherbst in S-charl

Drei Tage im leuchtend gelben, herbstlichen Tal S-charl. Schlagworte, die im Herbst, in den Bergen, in Graubünden auch mal ihre Gültigkeit verlieren können. Nachträgliche Umbenennung in «Winterwandern mit Sichtung einzelner Pilze» wäre angebracht.

→ weiterlesen

Edelweiss-Fülle

Überrascht wird man natürlich dann, wenn man etwas nicht erwartet. Oder keine Vorstellung von einer Gegend hat. Avers – Innerferrera? Was das wohl bieten wird?

Schon alleine die Busfahrt nach Cresta lässt das Herz schneller schlagen vor Freude, denn die Anblicke unterwegs versprechen eine wilde, relativ einsame Gegend. Das Versprechen wird von der Landschaft eingehalten und übertroffen. Die gefühlte Weite beeindruckt, die Sicht über viele Berggipfel und in Täler erfreut, und die Fülle an Edelweiss versetzt in Erstaunen. Hat man sich bis dahin beim Anblick von einem Edelweiss schon vergnügt gezeigt, so wird man hier reichlich belohnt.

→ weiterlesen

Alp de Naucal

Bereits im Bettchen. Ristorante/Hotel V. in Rossa, fein gegessen und getrunken, davor geduscht. Eine echte Dusche mit heissem Wasser, nach fast drei Tagen Unterwegssein und Katzenwäsche ein Genuss. Ich spüre deutlich meine Beine und ihre Leistung. Morgen steht noch eine Wanderung an, ich werde vermutlich kneifen. Die Wanderschuhe sind bis morgen früh bestimmt nicht trocken.

→ weiterlesen

Alpe d’Örz

Traumhaft. Die Alpe d’Örz, unsere Unterkunft heute Nacht, liegt umgeben von ehemaligen Weideflächen in einer Felsenarena. Der Blick geht ungehindert ins Tal. Die Nala springt links vom Steinhaus über Felsbänder in die Tiefe und ist laut. Es gibt auch eine ebenere Fläche, man könnte darin plantschen, sollte man eine Vorliebe für Eiswasser haben. Die Nachmittagssonne lacht mich an, ein leichter Wind bewegt hohe Grashalme; ich sitze auf einer Steinbank an einem Steintisch und kann mir im Augenblick keinen urtümlicheren, schöneren Bergort vorstellen, als denjenigen welchen ich jetzt erlebe.

→ weiterlesen

Alpe di Vóisc

Ankunft an der ehemaligen Käsealp, der Holzofen wird angefeuert, Töpfe mit Quellwasser aufgestellt.

Auf dem Weg hierher hat uns der Nieselregen begleitet, der heute morgen noch nicht angekündigt war. Die Grasflächen, die Sitzbank um die Alp: wunderschön, aber nass. Man kann draussen stehen und das Osognatal bewundern – sitzen muss man drin. Bei Sonnenschein ist vermutlich alles noch viel schöner und man könnte sich in eine ruhige Ecke verziehen. Denn wie immer und überall gibt es eine Person, die nur eines kennt: reden. Italienisch. Ich verstehe nur wenig, das ist gut, unterwegs bleibt es zum grössten Teil ein Geräusch, ähnlich dem Rauschen der Nala, welche durchs Tal fliesst.

→ weiterlesen

Schlaf im Lavendel

21. August 2024, 11.19 Uhr. Ich werde heute nach Grono fahren und im B&B da Käthy übernachten, um morgen pünktlich zu den anderen Teilnehmern zu stossen. Wanderteilnehmer für das Calancatal, vier Tage, sechs Frauen, ein Wanderleiter. Obwohl es nicht die erste Mehrtageswanderung ist, bin ich ziemlich aufgeregt. Rucksack gepackt, nur ein Wechselset an Kleidung dabei, ich werde ein wenig stinken. Als Reserve Regenjacke, Daunenweste für eventuelle Polarnächte, Turnschuhe für die Hütten. Zwei Wasserflaschen, eine davon wird nie zum Einsatz kommen. Nüsse, viele davon, als Mittagessen, Cola-Powergel für den Notfall. Taschenlampe statt Stirnlampe – ein Übersetzungsfehler von Google aus dem Italienischen ins Deutsche. Ich werde (später) feststellen müssen, dass man mit einer Taschenlampe in der einen Hand kein Geschirr spülen oder abtrocknen kann. Mich als Stehlampe anzubieten, fällt mir nicht ein …

→ weiterlesen